Patentanwaltsfachangestellter als Quereinsteiger (Teil 2)

Nach Teil 1 des Erfahrungsberichts eines Quereinsteigers in den Beruf des Patentanwaltsfachangestellten folgt hier der 2. Teil:

Vorbereitung zur PAFA-Prüfung

Meine Vorbereitung zur PAFA-Prüfung war ziemlich unspektakulär und kurz.

Vorab: Materiellrechtliches Wissen, Gutachtenstil oder das Ausrechnen von betrieblichen Kennziffern á la ROI (Return on Investment) etc. helfen nur bedingt bzw. gar nicht. Falls also jemand, der ein paar Semester Jura studiert hat, meint, die Prüfung wäre deswegen ein Klacks, dann hat sich der- oder diejenige getäuscht. Es ist zwar durchaus hilfreich, wenn man sich allgemein schon mal im Gesetz oder mit dem Arbeiten mit Gesetzestexten auskennt, aber wer versucht, jede einzelne Frage gutachterlich zu lösen, scheitert mit Gewissheit an der begrenzten Zeit. Da die Fragen i.d.R. formaler Natur sind (Gebühren, Fristen, Rechtsfolgen bei Verpassen der Fristen usw.) bleibt keine Zeit, umfassend darauf zu antworten, vielmehr sollte das KISS-Prinzip (Keep it simple, stupid!) beachtet werden, um nicht in Zeitnot zu geraten, bevor auch nur 50% aller Fragen beantwortet wurden.

Meine Vorbereitung begann theoretisch damit, dass mir die Patentanwaltskammer einige der älteren (2015 – 2018) Prüfungen sowie die dazugehörigen Lösungen zur Verfügung gestellt hat. Zusätzlich konnte ich noch einige der älteren Prüfungen von einer jungen Kollegin, die 2020 ihre Abschlussprüfung geschrieben hat, besorgen und den Rest über die hierbei überaus hilfreiche PAFA24-Plattform (hier habe ich auch allgemein hin- und wieder gestöbert, um evtl. für mich relevantes aus Forumsdiskussionen herauszulesen). Praktisch habe ich erst ca. zwei Wochenenden vor der Prüfung damit angefangen, einige der alten Prüfungen durchzugehen und den Schönfelder bzw. die Gewerblicher Rechtsschutz-Texte mit Markern zu versehen. Diese Bücher (zusammen über 100,- EUR) hat mir netterweise auch mein Arbeitgeber zur Verfügung gestellt.

Zu den Büchern an sich noch eine kurze Anmerkung: Warum die Patentanwaltskammer darauf besteht, dass man die Prüfung nur mit diesen beiden – sehr unhandlichen – Büchern, zum einen dem Schönfelder Deutsche Gesetze und zum anderen den Beck´schen Textausgaben zum Gewerblichen Rechtsschutz, als Hilfsmittel schreiben darf, leuchtet mir bis heute nicht ein.

Freitag vor der Prüfung bin ich zusammen mit meiner Kollegin, die diese bereits 2020 geschrieben hatte, noch die Systematik und Bewertungskriterien durchgegangen, wobei sie mir freundlicherweise auch ihre sehr hilfreichen Notizen vom Vorjahr überlassen hat. Danach habe ich Samstag bis Montag einen „Lernmarathon“ mit jeweils 8-12h Übungen, Gesetze markieren und noch mehr Übungen hinter mich gebracht, sodass ich mich am Tag der Prüfung (Dienstag) mehr oder weniger gut vorbereitet gefühlt habe.

Die Prüfung

Für die Prüfung (2 Tage, Dienstag und Mittwoch) selbst sowie den Tag davor habe ich Sonderurlaub bekommen. Die Tipps und Infos, die ich noch am Freitag mitgenommen habe, haben sich aber definitiv ausgezahlt, denn der größte Feind ist die Zeit. Keine der Fragen, die in der Prüfung drankommen, sind unüberwindbar, aber wenn man anfängt, sich irgendwo länger „festzubeißen“, dann gerät man schnell in Zeitnot.

Mein persönlicher Tipp (ohne Gewähr!): Wenn man nicht innerhalb von Sekunden eine Ahnung hat, was die Antwort ist oder zumindest wo genau diese zu finden ist, dann schnell weiter zur nächsten Frage. Dasselbe gilt auch für Unter-/Zusatzfragen, denn es ist besser, wenn man 80% der Fragen zu 70% richtig hat, als bei nur 50% der Fragen zu 100% richtig zu liegen. Es ist keine Schande 0% der Fragen zu z.B. dem Haager Musterabkommen zu beantworten, dafür aber in allen restlichen Fragen zumindest ¾ der möglichen Punkte zu „scoren“.

Den mündlichen Teil der Prüfung empfand ich als sehr einfach, wobei hier vielleicht auch die – im Vergleich zu den anwesenden Azubis – deutlich geringere Nervosität bei mir als Externem reingespielt hat. Für die Auszubildenden geht es schließlich um den Abschluss einer drei Jahre währenden Ausbildung, für den Externen ist es hingegen bloß „peinlich“ und ggfs. geht es um etwas mehr Vergütung.

Fazit

Für mich war die (erfolgreiche) Teilnahme an der PAFA-Prüfung sowie die Vorbereitung als Externer auf jeden Fall eine sehr aufregende Erfahrung, die mir durch Hilfe und Unterstützung durch meinen Arbeitgeber und Kollegen leichter gemacht wurde.

Alles in allem kann ich es nur jedermann empfehlen, es zu versuchen. Ich kann des Weiteren nur empfehlen, aktiv auf den oder die Vorgesetzte(n) sowie ggfs. Kollegen und Kolleginnen, die bereits an der Prüfung teilnehmen oder teilgenommen haben, zuzugehen, und sich auch im Internet über die Prüfung, den Beruf und damit einhergehende Aufstiegschancen zu erkundigen.

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Herr Denis Reimann ist Fremdsprachenkorrespondent und Patentanwaltsfachangestellter. Überdies bereitet er sich in einem berufsbegleitenden Studium auf den Abschluss als Bachelor of Law vor.